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Nils Riecken (Alumnus BGSMCS)

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Abdallah Laroui and the Location of History. An Intellectual Biography

Dissertationsprojekt (2008 - 2013):

Abdallah Laroui and the Location of History. An Intellectual Biography

Das Ziel meines Promotionsprojekts ist eine intellektuelle Biographie des marokkanischen Historikers, Intellektuellen und Schriftstellers Abdallah Laroui (geb. 1933). Laroui ist in Marokko, dem Maghreb und dem Vorderen Orient ein vieldiskutierter Denker, in Europa und den USA sind seine Texte dagegen weniger bekannt. Er hat zu einer Vielzahl an Themen publiziert, so unter anderem zu arabischen Reformdebatten, Historiographie und Geschichtstheorie sowie zu Moderne und Islam. Neben seinen kritischen Schriften hat er sechs Romane und seine Tagebücher veröffentlicht. Er schreibt auf Arabisch und Französisch. Einige seiner Bücher sind auch in andere Sprachen (z.B. Englisch und Spanisch) übersetzt.

In meinem Projekt geht es vor allem um die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Repräsentationen von Geschichte, des Politischen und von Subjektformen. Eine Leitfrage ist dabei, wie Moderne und Geschichte in einem postkolonialen Kontext begriffen werden. Larouis Ziel ist eine politische, ökonomische und intellektuelle Unabhängigkeit Marokkos, die über die seit 1956 bestehende formale hinausgeht. Einem geläufigen Motiv der weiteren arabischen Reformdebatten folgend, geht es also um die Frage, wie Modernisierung mit der westlichen Moderne ohne Verwestlichung möglich ist.

Das Nachdenken über die Möglichkeit von Reformen führt Laroui zu einer grundsätzlichen Reflexion über den Begriff der Geschichte sowie zur Frage nach der Rationalität politischen Handelns. Dabei setzt er sich gleichermaßen mit islamischen und westlich modernen Denktraditionen auseinander. Mich interessiert unter anderem, wie er diese zueinander in Beziehung setzt, welche Perspektive daraus resultiert, und wie dabei das Begriffspaar Moderne und Islam diskutiert wird. Larouis Kritik richtet sich dabei gegen die in unterschiedlichen Varianten zu beobachtende Kulturalisierung von Politik.

Daneben frage ich danach, wie sich seine kritischen, literarischen und autobiographischen Texte zueinander verhalten und wie Geschichte in ihnen erzählt wird. Die Frage ist hier, wie Laroui in den jeweiligen Genres unterschiedliche Anliegen verfolgt oder dieselben Thematiken auf unterschiedliche Weise behandelt.

Methodisch orientiere ich mich an Ansätzen der Wissens-, Diskurs- und Begriffsgeschichte. Mein Blick richtet sich weniger auf historische „Ideen“ an sich als vielmehr auf historische Argumentationsmuster, Denkfiguren, die Logiken von Diskursen und das Problem von Sprache und Übersetzung. Dabei frage ich, an welchen öffentlichen Deutungskonflikten – die zu einem wesentlichen Teil Konflikte um die Repräsentation von Geschichte sind – Larouis Texte teilhaben und auf welche Weise.

Erstgutachterin: Prof. Dr. Ulrike Freitag

Zweitgutachterin: Prof. Dr. Dr. h.c. Gudrun Krämer

Drittgutachterin: Prof. Dr. Margrit Pernau