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Feray Coşkun (Alumna BGSMCS)

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Sanctifying Ottoman Istanbul: The Shrine of Abū Ayyūb al-Anṣārī

Dissertationsprojekt (2008-2015):

Sanctifying Ottoman Istanbul: The Shrine of Abū Ayyūb al-Anṣārī.

Die vorliegende Arbeit untersucht das besondere Verhältnis zwischen dem Grab Abū Ayyūb al-Anṣārīs und dem osmanischen Istanbul im Hinblick darauf, wie der Schrein die geistliche Landschaft der Stadt geprägt hat. Der Schrein wurde um 1456 unter dem osmanischen Sultan Mehmed II (reg. 1444-1446 und 1451-1481) zu dem Zweck erbaut, die Reliquien Abū Ayyūbs, eines Gefährten des Propheten Muhammad zu beherbergen. Abū Ayyūb soll im Verlauf der ersten umayyadischen Belagerung Konstantinopels im siebten Jahrhundert gestorben sein. Nach osmanischen Quellen wurde Sein Grab kurz nach der osmanischen Eroberung der Stadt 1453 „entdeckt“. Durch die „Entdeckung“des Grabes dieser frühislamischen Figur sollte das osmanische Istanbul geheiligt werden und einen neuen geistlichen Vorfahren und Beschützer erhalten. Mehmed II. versuchte eine kosmopolitische Stadt zu erschaffen, die symbolisch islamisiert wurde. Die „Entdeckung“ des Grabes von Abū Ayyūb und der Bau eines Begräbniskomplexes zu seinen Ehren spielte eine zentrale Rolle bei dieser symbolischen Islamisierung.

Der für ihn erbaute Schrein wurde später zu einem größeren Komplex erweitert und wurde der Kern einer Siedlung außerhalb der Stadtmauern, die heute als Eyüp bekannt ist. Er war umgeben von den Begräbniskomplexen hochrangiger osmanischer Beamter sowie von religiösen und sozialen Institutionen. Am Schrein fanden zahlreiche offizielle und öffentliche Rituale statt, da er ein wichtiges Ziel der ziyāra war, das Menschen für Fürbitten aufsuchten. Die eingehende Analyse zeigt, dass die Grabstätte, über Einzelaspekte hinaus, insgesamt von grundlegender Bedeutung als eine Vermittlungsinstanz zwischen imperialem politischem Zentrum (Istanbul) und den primären islamischen heiligen Zentren (Mekka und Medina) war.

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der kritischen Analyse von Primär- und Sekundärquellen, die sich auf Abū Ayyūb und seinen Grabkomplex beziehen, vor allem im Hinblick auf analytische Kategorien und Begriffe wie Kollektivgedächtnis, Formbarkeit von Identitäten, die osmanische Aneignung des byzantinischen Erbes der Stadt und die rückblickende Islamisierung bestimmter Orte Istanbuls unter den Osmanen.

Während der Schrein im islamistischen und nationalistischen Diskurs als „reiner“, authentischer Ort behandelt wird, zeigt die genaue Analyse der osmanischen Quellen, dass die Ursprünge des Schreins mit nicht-muslimischen Elementen verknüpft sind. Es erweist sich, dass die osmanische Konzeption des Schreins nicht unabhängig von der weiteren, multikulturellen und verflochtenen Geschichte der Stadt gesehen werden kann. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie ist, dass die Entdeckung von Gräbern,die frühislamischen Persönlichkeiten zugeschrieben wurden, ein häufig auftretendes Phänomen im osmanischen Istanbul war.

Ähnlich der Übertragung von christlichen Reliquien von Jerusalem nach Konstantinopel in der byzantinischen Ära schufen sich auch die muslimischen Osmanen ihre eigene sakrale Topographie, die sie mit frühislamischen Persönlichkeiten assoziierten. Dieser Prozess mündete unter anderem in eine retrospektive osmanische Islamisierung einiger Orte der Stadt, die dazu diente, diese in die islamische sakrale Geschichte und das islamische sakrale Gedächtnis einzubinden.

 

Erstgutachter: Prof. Dr. Claus Schönig

Zweitgutachterin: Prof. Dr. Birgit Krawietz

Drittgutachter: Prof. Dr. Christoph K. Neumann