Max Kramer: "Azadi „von“ Indien oder „in“ Indien? Kaschmiris posten auf Facebook zur Politik der Postposition"

14.03.2016

JNUSU President Kanhaiya Kumar addresses students after reaching the JNU campus upon his release on bail, in New Delhi

JNUSU President Kanhaiya Kumar addresses students after reaching the JNU campus upon his release on bail, in New Delhi
Bildquelle: Photo by Kamal Singh

Die Studentenbewegung an indischen Hochschulen hat auf meiner Facebookseite einen Wirbelsturm an Debatten und Videos ausgelöst. Sie begann damit, dass in Reaktion auf einen nicht genehmigten Protest im Andenken an die kaschmirischen „Märtyrer“ Afzal Guru und Maqbool Bhat der Studentenführer der All India Student Federation, Kanhaiya Kumar, auf dem Campus der Jawaharlal Nehru University (JNU)in Neu-Delhi aufgrund von „sedition“ verhaftet wurde. „Sedition“ ist ein aus kolonialer Zeit stammender Begriff, der auf Deutsch Anstiftung zum Aufruhr bedeutet und zwischen Volksverhetzung und Hochverrat angesiedelt werden kann. Ursprünglich wurde das darauf bezogene Gesetz von den Briten angewandt, um indische Nationalisten wie Mahatma Gandhi von ihren politischen Kampagnen abzuhalten. Nach massiven internationalen Protesten, die sich um den Zustand der Demokratie und Redefreiheit in Indien drehten, wurde Kumar vor einigen Tagen wieder aus dem Gefängnis entlassen und hielt am 03. März eine Rede auf dem Campus der JNU. Diese knapp einstündige Rede auf Hindi/Urdu war eine rhetorische Meisterleistung. Sie begann und endete mit Slogans, die „Azadi“(Freiheit) von unterschiedlichsten Formen der Unterdrückung forderten: von der Kastenunterdrückung, von kapitalistischer Unterdrückung, von genderbezogener Unterdrückung usw. Dabei brachte er die politische Bewegung des Mitautoren der indischen Verfassung und Dalit-Anführers Bhimrao Ramji Ambedkar mit traditionelleren linken Ansätzen unter einen Hut. Er flocht fließend Wortspiele in seine Rede ein und berichtete von seinen „Erfahrungen im Gefängnis“, die er halbironisch als Solidaritätserlebnis mit den berüchtigten Polizisten Delhis schilderte. Schließlich seien er und sie aus der gleichen Klasse und an Solidarität fehle es vielleicht nur aufgrund von Übersetzungsschwierigkeiten. Ganz in diesem Sinne fordert er die JNU-Studenten auf, ihre theorielastige Sprache zu überdenken, da sie unter den Zielgruppen ihrer Politik, den Bauern, Armen und Ausgestoßenen schlecht verstanden werde. Kumars Rede macht momentan auf sozialen Netzwerken die Runde. Einige Kommentator_innen sehen mit Kumar einen neuen Stern am Himmel sozialer Bewegungen in Indien aufgehen.

Was ist aber dieses Wort „Azadi“ und wie steht es zu den jüngsten Ereignissen?  [...]

 

Lesen Sie den ganzen Artikel auf Mediaresearch@IAAW, dem Blog des Querschnittsbereich Medialität und Intermedialität in Asien und Afrika am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin